Hufe und Hufgesundheit

Ich möchte versuchen, dieses Thema so einfach wie möglich und doch so gründlich wie es geht zu behandeln. Es ist eng mit dem Thema "Haltung" verbunden. Ich habe die beiden allerdings trotzdem getrennt. (Haltungsfragen und Tipps findet ihr in der Rubrik "Bedürfnisse eines Pferdes".)

Die Evolution des Pferdes, so wie wir es heute kennen, hat ungefähr 50 Millionen Jahre gedauert. Das ist zehnmal länger, als unsere eigene. So lange hat es gedauert, bis sich letztendlich das entwickelte, was wir heute sehen.

Ein Huf heute hat viele Funktionen und viele davon sind lebenswichtig:

• Tastorgan
• Stoßdämpfung
• Nachwachsender Schuh
• Schutz gegen äußere Einflüsse
• Ausscheidungs- und Entgiftungsorgan
• "Blutpumpe"/ kreislaufunterstützendes Organ

Es gibt von Natur aus eine gesunde Hufform, die mit der Lastverteilung im Huf zusammenhängt und mit der das Pferd optimal klarkommt. Diese ist abhängig von der Position der Knochen im Innern des Hufes und hat Auswirkung auf die Stellung des gesamten Pferdes. Viele Stellungsfehler und Takt-Unreinheiten kommen von unten und wären einfach durch Hufkorrektur zu ändern.

-> Themenübersicht:

  • Was ist "Innen"?
  • Ideale Hufform und ihre Gründe
  • Leistungsfähigkeit und Gesundheit versus "was heute ist"
  • Eckstreben
  • Probleme, die aus falscher Hufform und Beschlag resultieren
  • Orthopädischer Beschlag
  • Hufmechanismus und seine Beduetung
  • Natürliche Gesundheit
  • Umstellung auf das gesunde Barhuflaufen, Heilunsprozess und -dauer
  • Durchwachsen des Hufes
  • Schlechtes Laufen
  • Auswirkung auf die Stellung und auf die Sehnen des Pferdes
  • Schiefen im Huf und in den Beinen
  • Vorrausetzungen für die Umstellung
  • Schneide-Intervalle: wie oft wird geschnitten und was beeinflusst die Abstände?
  • Elastizität und Stärke - durch Wasser
  • Grenzen des Barhuflaufens
  • Einige häufige Missverständnisse
  • Wer ist Frau Dr. Strasser?

Was ist "Innen"?

In einem Pferdehuf ist eine ganze Menge "Dinge": Knochen, Sehnen, Bindegewebe, Knorpel und die Huflederhaut, ein Spezialgewebe.

Die Huflederhaut sieht ein bisschen aus wie ein "Blutschwamm" und produziert zum einen Horn, zum anderen versorgt sie die Nerven, die sich im Huf befinden, mit Nährstoffen. Das erste unten stehende Bild ist eine schematische Abbildung der im Huf verlaufenden Arterien, das zweite eine "echte Huflederhaut" (hierfür wurde ein toter Huf prepariert).

 (Bildquelle: Archiv Dr. med vet. H. Strasser)

(Bildquelle: Archiv Dr. med. vet. H. Strasser)

Im Huf befinden sich ebenfalls Nerven. Sie sorgen dafür, dass das Pferd den Boden ertasten kann und seine Hufe wahrnimmt (das schwarze ist der sogenannte "Hufknorpel"):

(Bildquelle: Archiv Dr. med. vet. H. Strasser)

Bindegewebe und Sehnen erfüllen ebenfalls verschiedene Stützaufgaben innerhalb der Gliedmaßen des Pferdes.

(Bildquelle: Archiv Dr. med.vet.H. Strasser)

Man sieht, dass in einem Pferdefuß also viele verschiedene Strukturen zu finden sind. Es gibt keine Freiräume, alles hat seinen natürlichen Platz und seine Funktion.

Zum Seitenanfang

Ideale Hufform und ihre Gründe

Wenn man Hundert (oder Tausend) Pferd röntgen würde, um den durchschnittlichen Winkel des untersten Knochens, des sogenannten Hufbeins, festzustellen, würde man merken, dass er in seinen Winkeln bei allen Pferden ziemlich gleich aussieht. Ebenso bei Eseln, Zebras, Ziegen, Kühen und Schweinen… prinzipiell bei allen Huftieren, mit nur minimalsten Abweichungen. (Diese kommen bei älteren und oft sehr kranken Tieren vor, bei denen es Knochenrück- oder Zubildungen gibt, die man ebenfalls röntgenologisch feststellen kann. Dies ist dann krankhaft, also pathologisch, und nicht normal. Solche Tiere haben meist auch schon sichtbare Beschwerden).

Vorderhufe haben einen Knochen-Winkel von 45°, Hinterhufe weisen 55° auf.

Das sieht in natura so aus:

^ Winkel eines "vorderen" Hufbeins

^ Winkel eines "hinteren" Hufbeins
(mit arthrotischen Zubildungen im hinteren/ oberen Teil)

Pferde, die Hufe haben, die entsprechend dieser von den Knochen vorgegebenen Winkel richtig stehen, also das Hufbein nicht in irgendeiner Art auf seine Spitze kippen, weil der Huf eine steile vordere Wand hat, sehen zum Beispiel folgendermaßen aus:

  

  

  

Wenn man das ganze Pferd betrachtet, kann man erkennen, dass es mit geraden, senkrechten Röhrbeinen stehen kann, also ohne jeden Energieaufwand. Das Pferd ist als Fluchttier auf minimalen Energieverbrauch ausgelegt. Wenn sie könnten, würden alle Pferde so entspannt stehen: mit durch das bestehende, natürliche Sehnengleichgewicht gegebenen geraden Röhrbeinen, auf Hufen, die so stehen, dass das Hufbein in ihnen so liegt, wie es die gleichmäßigste Belastung für die Huflederhaut erlaubt.

Pferde, die andere Winkel in den Hufen aufweisen oder Eckstreben (siehe weiter unten) haben, die den Boden berühren, stehen normalerweise auch verspannt, also in einer Haltung, die die Stellung der Hufe auszugleichen versucht. Dies ist nicht "angeboren" oder Teil des natürlichen Exterieurs eben dieses Pferdes, sondern ein Resultat der Hufstellung. Das bedeutet auch, dass Pferde, deren Hufe umgestellt werden, wieder gerade Beine und entspannte Muskeln bekommen.

^ rückständige und leicht kniehängige Vorderröhrbeine bei Pferden mit
zu hohen Trachten und/ oder Eckstreben mit Bodenkontakt,
die Druck auf die Hufrollenregion ausüben. Das Pferd
versucht, die hintere Hufregion zu entlasten.

 

^ zwei weitere, deutlich sichtbare Beispiele.
(Rechtes Bild: derselbe Schimmelwallach, wie weiter oben abgebildet (Mitte ganz rechts) - hier zu sehen VOR der Hufbehandlung.)

 

^ diese Beispiele sind subtiler, zeigen aber die gleiche Symtomatik.
(Rechte Abbildung: mein Pferd Rubina, als wir sie kauften. Auch sie hat heute
gerade Röhnrbeine und entspannte Muskeln, sprich gut stehende, bequeme Hufe.)

Tatsächlich gibt es heute leider kaum Pferde, die richtig gesund sind und es scheint, als ob "nicht alle barfuß gehen können"… jedenfalls nehmen Menschen das oft an, wenn die Tiere ohne Eisen schlecht laufen.

Vielleicht ist dies ja ein Irrtum - im Folgenden möchte ich gerne erklären, warum.

Zum Seitenanfang

Leistungsfähigkeit und Gesundheit versus „was heute ist“

Wenn wir komplett gesunde Pferde haben wollen - nicht nur scheinbar gesunde - müssen wir die Vorraussetzungen dafür schaffen. Also sehen, was das Pferd braucht.

Es ist heute möglich, den allergrößten Teil aller Pferde erfolgreich aufs Barfußgehen umzustellen und sie dadurch viel gesünder zu machen, denn Hufe erfüllen einige lebenswichtige Aufgaben für den Pferdekörper. Allerdings muss dafür oft etwas an den Haltungsbedingungen geändert werden, denn die heute praktizierte vorwiegende Boxenstallhaltung ist gesundheitsschädigend für Pferde und ihre Hufe.

Wenn Haltung, Fütterung und Reitweise stimmen, erzielen wir das bestmögliche Ergebnis. Ein Alter von 40 - 50 Jahren für ein Pferd ist dann durchaus möglich und es kann problemlos auch mit 30 Jahren noch geritten werden, ohne dass man ihm anmerkt, wie "alt" es ist.

Hufe in ihrer natürlichen Form sind extrem gut durchblutete Organe. Würde man aufzählen, welches Organ am Besten durchblutet wird, so müsste der Huf direkt nach Herz und Leber aufgezählt werden – normalerweise.

Leider ist das aber oft nicht so – die folgende thermografische Aufnahme zeigt, wie warm die vier Hufe des abgebildeten Pferdes sind:

(Bildquelle: Archiv Dr. med. vet. H. Strasser)

Es ist nur rechts vorne beschlagen (seit etwa einem Tag).

Hufeisen können also eine blutabschnürende bzw. durchblutungshemmende Wirkung haben. Sie fixieren den Huf in seiner engsten Form: bei Bewegung würde er sich normalerweise (natürlicherweise) ein wenig spreizen, was das Blut durch die Huflederhaut "pumpen" und bei diesem Vorgang Wärme erzeugen würde.

Ein Hufeisen wird aufgenagelt, wenn der Huf angehoben ist, also in der zusammengezogenen Form, nicht der gespreizten. In dieser wird der Huf dann fixiert.

Anschließend ist keine bzw. kaum mehr Bewegung im Huf möglich. Auch dann nicht, wenn nur >vor< der weitesten Stelle des Hufes genagelt wird.

Die Annahme, dass ein Huf sich vor allem hinten bewegt und die immer noch tut, wenn er vorne fixiert wird, ist falsch. Sie würde quasi vorraussetzen, dass hinten am Huf zwei "Scharniere" angebracht sind.
Vergleichbar ist dies mit einem Haarreifen - spreizt man die beiden Enden, kann man beobachten, dass sogar bis in die Spitze hinein Bewegung zu sehen ist. Geringer als an den Enden, aber trotzdem sichtbar.
Oft sieht man bei Hufen an der Stelle, wo Scharniere gebraucht würden, um "hinten" guten Hufmechanismus zu ermöglichen, Risse. Sie entstehen unter anderem durch die Fehlspannungen, die auftreten, wenn ein Huf fixiert und belastet wird.

Ein Huf wird also fixiert und belastet... hierdurch kann er sich nicht mehr natürlich spreizend bewegen, um als Stoßdämpfer zu funktionieren und Blut zu "pumpen". Deshalb muss er in andere Richtungen ausweichen, als vorgesehen, denn Belastung kommt genau wie zuvor zustande: Ausweichbewegungen belasten Bereiche, die dafür nicht ausgelegt sind. Eine pathologische Bewegung entsteht. Sie richtet mit der Zeit Schaden am Huf an und ist auch für die sogenannten "Scheuerrillen" auf den Hufeisen verantwortlich: bei Belastung von beschlagenen Hufen kippt der untere Teil der Hufwand nach innen, der obere nach außen. Die Kanten des Tragrandes "fressen" sich dabei mit der Zeit in das Eisen.

Scheuerrillen weisen also auf eine falsche Bewegung hin, sie sind kein Indiz für Hufmechanismus im eigentlichen Sinne, nur für eine patholigische Ausweichbewegung.
Würden sie auf Hufmechanismus hinweisen, müssten sie einerseits eine größere Breite aufweisen, als die Hufwand ("Tragrand") selber, zum Anderen müssten es Wischspuren nach außen sein (man bedenke, wie sich der Haarreifen hinten bewegt...), keine scharf eingegrabenen Rillen.

Doch nicht nur Hufeisen wirken Hufmechanismus entgegen, auch die Hufform an sich kann die richtige Bewegung verhindern:

^ Eine volle Sohle in Verbindung mit zu hohen, untergeschobenen Trachten und viel Eckstrebenhorn: hier ist kein richtiger Hufmechanismus möglich, außerdem werden
wichtige Strukturen im Huf [z.B. die Hufrolle] unphysiologisch gedrückt.

^ ebenfalls eine Hufform, die unnatürlich ist und kaum Hufmechanismus ermöglicht.

Pferde mit unnatürlicher Hufstellung und sehr langem Horn, egal ob beschlagen oder nicht, können möglicherweise viele Jahre lang gut laufen. Irgendwann jedoch werden sich die schleichend entstandenen Schäden zeigen.

Die Barhufbehandlung nach der Strasser Methode betreibt hier Prophylaxe: durch richtige Behandlung wird Problemen vorgebeugt und die Tiere bleiben oder werden gesund und leistungsfähig auf jedem Boden.

Zum Seitenanfang

Eckstreben

Ein Pferd, das mit (oder mit beinahe) bodenparallelem Hufbein steht, also daher keine Probleme haben sollte, kann trotzdem rückständig stehen oder seine Hufe als schmerzhaft empfinden, weil die Eckstreben zu hoch sind und dadurch das Gewicht des Tieres mittragen.

Blick in eine leere Hufkapsel:

Die Eckstreben, also die beiden "Wulste", die rechts und links der Mitte des Hufes wie ein V verlaufen, können, wenn sie sohlenseitig Bodenkontakt haben, Schmerzen auslösen, denn sie drücken dann direkt auf die Hufrollenregion. Aus diesem Grund sollten Echstreben niemals Bodenkontakt haben.

(Da diese Hufkapsel bereits im Austrocknen begriffen ist, zieht sie sich schon zusammen und die mittlere Strahlfurche wird dadurch nach oben gedrückt. Auch beim lebenden Pferd macht sie einen Bogen nach oben, er ist aber weniger ausgeprägt und verläuft in der Regel nicht höher, als die Echstreben.)

  

^ Huf aus verschiedenen Perspektiven fotografiert. Die Eckstreben tragen mit und haben sich aufgrund der Belastung schon verbogen. Normalerweise haben Eckstreben einen geraden Verlauf, denn nur so stören sie den Huf nicht in seiner Bewegung und verursachen keinen Druck auf Sohle, Hufrolle und Eckstrebencorium (=Eckstrebenlederhaut).

Zum Seitenanfang

Probleme, die aus falscher Hufform und Beschlag resultieren

Heute wird meist kaum darüber nachgedacht, dass ein Huf, sobald er beschlagen wird (oder eine schlechte Form hat), mit weniger (in schlimmen Fällen sogar gar nicht mehr mit) Blut versorgt wird und dass Beschlag eine große Zahl an Folgeproblemen auslöst (Auswahl):

  • Durch die mangelhafte Nährstoffversorgung kann kein qualitätsstarkes Horn mehr produziert werden. Es wird im Laufe des andauernden Beschlages spröder, bröckelt, wird anfällig für Fäulnisbakterien (Strahlfäule & Probleme mit der weißen Linie) und irgendwann halten die Hufnägel nicht mehr, weil die Substanz ausbricht.
  • Es fehlt die Stoßdämpfung, die sich durch die perfekte Anordnung der Knochen, der verschieden harten Hornschichten und der Gewebe im Innern normalerweise ergibt.
  • Bei Menschen kennt man das sogenannte Raynod-Syndrom, vor allem bei Leuten, die mit Metall arbeiten und dabei viele Hammerschläge ausführen: durch die Erschütterung und das Nachvibrieren des Materials werden die kleinsten Blutgefäße, die Kapillare, zerstört. Eine Blutversorgung bestimmter Nerven wird dadurch unterbrochen und ganze Handbereiche werden taub. Das gleiche geschieht bei einem Pferd. Die Kapillaren im Blutgefäßgeflecht der Lederhaut werden stark geschädigt (dies führt zu schlechter Blutversorgung im Huf, verminderter Hornqualität und einem erhöhten Hufrehe-Risiko).
  • Dadurch, dass der Huf mit viel weniger Blut versorgt wird, arbeiten auch die Nerven nicht mehr gut - sie werden nicht mit ausreichend Nährstoffen versorgt, denn diese werden über die Blutbahn transportiert. Das Pferd läuft also mit "tauben Füßen". Und deshalb geht auch ein vorher lahmes Pferd oft mit Eisen besser, als zuvorohne. Die Nerven werden hierdurch "abgeschaltet" und senden keine Botenstoffe mehr, die im Gehirn als Schmerz erkannt werden.
  • Hufnägel sind aus Eisen und daher stark temperaturleitend. Sowohl beim Laufen auf sehr warmem Untergrund (zum Beispiel durch die Sonne aufgeheizter Asphalt), als auch auf kaltem leiten sie die Tempertur durch die weiße Linie, die aufgrund ihrer feuchtigketsspeichernden Eigenschaft (= gut temperaturleitend), nach Innen. Im Winter, wenn Schnee liegt oder die Pferde generell beschlagen auf kaltem Boden stehen oder gehen, wird so die Kälte direkt weiter in den Huf geleitet. Dies ist sehr schlecht, denn Hornwachstum braucht Stoffwechsel - und Stoffwechsel braucht (und produziert - im gesunden Fall) Wärme.
  • Das Eisen hat ein erhebliches Eigengewicht, das dem Pferd zu schaffen macht: es zerrt unnatürlich an den Einrichtungen im Huf, zum Beispiel an der Huflederhaut und an den Sehnenansätzen am Hufknorpel (Hufknorpelverknöcherung kann eine Folge sein). Bei jedem Anheben des Hufes gibt es dann unnatürliche Zugverhältnisse, weil er durch das Eisen erheblich beschwert ist.
    Man kann sich ebenfalls fragen, warum so viele schlimme Trittverletzungen mit beschlagenen Weidepferden geschehen - oftmals weil sie, wenn sie auskeilen, den Schwung, der ihr Bein durch das Gewicht des Eisens nach hinten zieht, nicht richtig einkalkulieren können und so - anstatt vielleicht das andere Pferd nur zu streifen - mit voller Wucht treffen, und das dann auch noch "bewaffnet".

Zum Seitenanfang

Orthopädischer Beschlag

Besonders "orthopädischer Beschlag" wirkt blutabschnürend und dadurch auch – zuerst – schmerzstillend. Allerdings niemals heilend! Er soll das Pferd oftmals auch gar nicht heilen, er soll es nur wieder nutzbar machen. Die Schädigung geht unbemerkt weiter, bis der Schaden am Huf so groß ist, dass er irreparabel scheint. Dann ist er meist auch wieder wahrnehmbar, weil er in Bereiche vorgedrungen ist, die noch etwas besser mit Blut versorgt werden.

^ Beispiel für orthopädischen Beschlag:
Ein "Eiereisen", dass dem Huf jede Möglichkeit raubt, sich gemäß
seiner natürlichen Funktion zu bewegen - und dadurch eine
blutabschnürende, betäubende Wirkung hat.

Bei orthopädischem Beschlag wird der Schaden also unbemerkt größer, anstatt kuriert zu werden. Er wird kaschiert.
Eine optimale Hufform hingegen gewährleistet eine gute, gesunde Bewegung innerhalb des Hufes, führt zu richtiger Nährstoffversorgung, Stoßdämpfung, perfekt angepasster Hornproduktion und erlaubt einen echtem Laufkomfort für das Pferd.

Da in in der konventionellen Lehrmeinung teilweise von anderen Tatsachen ausgegangen wird, als im Huf nachweislich zu finden sind, führen viele sogenannte "Behandlungen", die theoretisch Besserung herbeiführen sollen, in der Praxis zu einer Verschlimmerung der Situation und können langfristig (oft schon kurzfristig) keine wirkliche Besserung erzielen.

Diese Dinge sind zwar absolut nachweisbar, werden aber größtenteils leider ignoriert bzw. die Fakten sind oft gar nicht bekannt, was dazu führt, dass die Überlegungen zur Behandlung meist zu einem anderen Ergebniss führen, als für die Hielung richtig wäre, obwohl man gerne helfen und die Situation verbessern wollte.

Laut Versicherungsdaten wird ein deutsches Reitpferd heute noch circa 6 Jahre alt (vgl. Lebenserwartung von ca. 40 Jahren bei richtig gehaltenem Offenstallpferd bei natürlicher Hufpflege - reitbar oft bis weit über 25 Jahre). In etwa 90% der Fälle von Euthanasie und Schlachtung liegen als Tötungsursache Huf- oder Beinleiden vor.

Zum Seitenanfang

Hufmechanismus und seine Bedeutung

Bei jedem Schritt, den das Pferd macht, wird bei gesunder Hufform etwa der Inhalt eines Schnapsglases an Blut durch die Huflederhaut gepumpt. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Schwamm, der aus unglaublich vielen Arterien, Arteriolen und Kapillaren besteht. Der Pumpvorgang bringt jedes Mal frisches, arterielles Blut, voll von Nährstoffen in den Huf und führt verbrauchtes, venöses Blut ab. Bei den vielen tausend Schritten, die ein Pferd am Tag normalerweise macht, wird dadurch eine große Menge Blut durch den Huf gewälzt und er wird optimal versorgt. Dieser Vorgang wird "Hufmechanismus" genannt.

(Bildquelle: Archiv Dr. med. vet. H. Strasser)

Das Pferdeherz ist sehr klein (0,5% des Körpergewichts. Vergleich - Mensch: 1%) und mit der Versorgung des ganzen Körpers ohne Mithilfe der Hufe eigentlich überfordert. Sie sorgen natürlicherweise dafür, dass das Blut wieder die Beine hinauf gepumpt wird und verhindern dadurch einen Stau in den Beinen, Gallenbildung o.Ä.
Ein Pferd hat also sozusagen "fünf Herzen", vorausgesetzt, es kann sich genug bewegen, denn dies verursacht den Vorgang der Blutumwälzung ja erst. Und vorrausgesetzt die Hufe haben eine Form, die dies erlaubt.

(Bildquelle: Archiv Dr. med. vet. H. Strasser)

Natürliche Gesundheit

Normalerweise hat jedes in Freiheit lebende Pferd Hufmechanismus. Es ist darauf ausgelegt. Einer der Gründe, dass unsere Pferde heute statistisch nur noch 6 Jahre alt werden und dann in 90% der Fälle wegen Huf- und Beinleiden getötet werden (Quelle: Statistiken von Versicherungsgesellschaften), ist, dass oft nicht bekannt ist, was ein gesundes Pferd ist.
Anstatt die Krankheits- oder Lahmheitsursachen zu beheben, wird an den Symptomen herumhantiert, also daran, wie sich die Krankheit zeigt. Die Ursachen werden normalerweise nicht erkannt, denn es gibt kaum gesunde Pferde, die zum Vergleich herangezogen werden könnten. Wenn sie laufen - also funktionieren - wird davon ausgegangen, das alles in Ordnung sei. Außerdem: wenn man erkennen würde, was richtig ist, müsste  teilweise sehr, sehr viel geändert werden.

Ein ganz gesundes Pferd, das gesund bleiben soll, braucht folgende Vorraussetzungen:

• uneingeschränkte Bewegungsmöglichkeit, 24/7 (also 24 Stunden, 7 Tage die Woche)
• Gesellschaft durch Artgenossen (Bewegungsanreiz und psychische Entspannung)
• den Nutzungserwartungen angepassten Untergrund, je nach Ziel unterschiedlich
• richtiges Futter, ständig verfügbar bzw. in richtiger Dosierung zusätzlich gegeben
• richtige Hufpflege (falls nötig, abhängig vom Einsatz des Pferdes)
• richtige Reitweise und gutes Körpertraining

Auf richtige Haltung und Fütterung gehe ich in der Rubrik "Bedürfnisse eines Pferdes" ein, über Hufpflege wird im Folgenden auf dieser Seite erklärt, über richtiges Reiten informiere ich hier.

Zum Seitenanfang

Umstellung auf das gesunde Barhuflaufen, Heilungsprozess und –dauer

Gehen wir von einem einigermaßen gesunden Huf aus, können wir annehmen, dass das Pferd in den meisten Fällen nach der Erstbehandlung einfach nur besser läuft als vorher.
Leider kommen aber die allermeisten Pferde mit erheblichen Vorschädigungen zu uns. Wir Hufheilpaktiker sind oft die letzte Tür vor dem Schlachter. Dementsprechend gibt es in den Hufen auch schon starke Vorschädigungen und der Heilungsprozess nimmt einige Zeit in Anspruch.

Gibt es keine (oder wenig) Vorschädigung, geht die Umstellung rasch, problemlos und angenehm vor sich.

In sehr vielen aufgegebenen Fällen haben wir auch dann, wenn schon alles andere versucht worden ist, noch die vollständige Genesung des Pferdes erreicht. Allerdings ist der Weg dorthin nicht immer nur einfach.

Ein Huf, der über längere Zeit eine unnatürliche Form hatte - zwei Jahre reichen oft schon völlig, um einen großen Schaden zu verursachen - wurde über die gesamte Dauer dieses Zustandes nicht ordnungsgemäß mit Blut versorgt. Nicht nur, dass dadurch die Nerventätigkeit "ausgeschaltet" war und die Hornqualität schlechter wurde; die Huflederhaut im Innern hat ebenfalls begonnen, abzusterben, denn dauerhaft unterversorgtes Gewebe nekrotisiert - erleidet Verfall.

Im Huf ist kein Platz oder Sinn für "totes Gewebe". Solches wird normalerweise vom Körper ausgeschieden. Da aber in einem schlecht durchbluteten Huf auch kein normaler Stoffwechsel stattfinden kann, verbleibt das abgestorbene Gewebe erst einmal, wo es ist, da es nicht als solches erkannt werden kann.
Bis der Huf durch richtige Hufbehandlung in eine Form gebracht wird, die wieder Blutversorgung in ausreichendem Maße erlaubt. Dann wird all das nekrotische Gewebe erkannt und der Ausstoßungsprozess beginnt: Hufgeschwüre.

^ in der (von uns aus) oberen rechten Ecke des Hufes, dem Bogen zwischen Eckstrebe und Trachte, hat es ein Hufgeschwür gegeben. Als das Horn darüber weggeschnitten wird, kommt es zum Vorschein. Unter dem alten, jetzt entfernten Horn ist berteits neue Sohle gebildet worden, das Pferd hat keine Probleme beim Laufen, da das Geschwür bereits ausgeheilt ist. Der Unterschied ist lediglich noch an der Farbe und Konsistenz des Hufhorns zu erkennen. Laut Besitzerin hat man von dem Geschwür kaum etwas gemerkt - das Pferd ging zwei Tage etwas unklar, jedoch trat keine richtige Lahmheit auf.

Man kann teilweise beobachten, dass auf barhuf umgestellte Pferde anfangs einige Hufgeschwüre entwickeln, durch die sie alte Schäden hinausbefördern: die abgestorbenen Teile werden mit Eiter umschlossen und als Abszess ausgestoßen. Dies geschieht eine gewisse Zeit in (je nach Fall) kürzeren oder längeren Abständen zwischen den einzelnen Abszessen. So lange, bis der Huf gereinigt ist. Danach ist in der Regel "Ruhe" und das Pferd sehr zufrieden mit seinen Hufen.

Die Schäden, die herauskommen, sind nicht durch das Schneiden verursacht, sondern nur "zum Leben erweckt" worden, so dass sie heilen und verschwinden können. Bei nicht (oder kaum) vorgeschädigten Pferden wird es normalerweise keine "Probleme" in Form von Hufgeschwüren geben.
Natürlich ist die Zeit mit Hufgeschwüren nicht gerade schön und es kann durchaus sein, dass das Pferd zwischendurch sehr schlecht läuft. Allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass dies vorübergeht und Gesundung bedeutet.

Durch die hufheilpraktische Behandlung geschehen folgende Dinge:

  • Hufmechanismus wird (wieder-) hergestellt (durch richtige Hufform)
  • eventuell Schiefen werden korrigiert
  • die Hufe weiten sich langsam auf ihre richtige Größe (falls nötig)
  • Altschäden werden hinausbefördert
  • Stoffwechsel und Kreislauf werden positiv beeinflusst
  • das ganze Pferd wird gesünder

Hier als Beispiel der Verlauf eines starken Hufgeschwüres bei meiner Stute Rubina:
Hufgeschwüre treten relativ plötzlich auf und die Lahmheit wird meist schnell stärker. Ich wollte mit Rubina ausreiten. Als wir starteten, lief sie ganz normal, willig und klar. Nach unserem ersten Galopp trat sie minimal kürzer (ich reinigte die Hufe - diese waren aber leer, also ignorierte ich es erst, da es kaum merklich war). Nach weiteren zehn Minuten begann sie, merklich zu lahmen. Natürlich stieg ich ab, kontrollierte erneut und trat den Heimweg an. Nach Hause kam ich zu Fuß laufend... Rubina führte ich und sie lahmte sehr stark. All das innerhalb von noch nicht einmal einer Stunden.

Ich konnte das Geschwür sofort öffnen, der Eiter floss ab und Rubina lief wieder normal. (Wir öffnen Hufgeschwüre grundsätzlich nicht tief, sondern stellen nur ein Abflussloch her. Alles andere würde die Huflederhaut verletzen, was nicht in unserem Sinne ist und würde eine viel längeren Heilungszeit zur Folge hat. Hingegen kann ein Pferd, dessen Lederhaut wie beschrieben nicht verletzt wurde, quasi sofort wieder normal seinen "Alltag" verfolgen.)

Nachdem circa zwei Wochen vergangen waren (sie lief in dieser Zeit wieder ganz normal), schnitt ich ihre Hufe nach und konnte feststellen, wie groß das Geschwür gewesen war:

^ Größe des Hufgeschwüres im Endeffekt: fast ein Drittel vom Huf war betroffen.
Hier wurde "Abfallgewebe" ausgestoßen. Darunter war bereits wieder neue Sohle.

Natürlich ist dies ein mustergültiger Verlauf. Nicht immer geht es so  schnell. Aber grundsätzlich kann man sagen: Hufgeschwüre sind etwas natürliches und sie erfüllen einen Zweck.

Vielleicht möchten Sie nun wissen, wie es Rubina heute geht und ob sie immer noch Hufgeschwüre bekommt. Die Antwort ist "nein". Sie hat seit über drei Jahren keines mehr gehabt. Da ich aus zeitlichen Gründen lange nicht die Möglichkeit hatte, mich reiterlich genug mit ihr zu beschäftigen, habe ich sie zwischen Mitte 2008 und 2009 einer Bekannten zur Verfügung gestellt, die sie für mich bewegte. Mittlerweile habe ich sie an eine gute Freundin verkauft, bei der sie täglich geritten wird.

Es gibt in manchen Fällen ebenfalls Kronrandgeschwüre:

^ hier handelt es sich wieder um Rubina - sie hatte so enge, gezwängte Hufe, dass eine ganze Weile immer wieder diverse Hufgeschwüre entstanden. Das Geschwür auf dem Bild ist bereits offen, es störte sie beim Gehen schon nicht mehr und sah einfach nur unschön aus. Rubina lief ohne Auffälligkeiten.

^ ein Kronrandgeschwür bei einem anderen Pferd, das wegen ständiger Lahmheit und diagnostizierter Hufrollenerkrankung mit damals 7 Jahren getötet werden sollte und nun wieder laufen kann und geritten wird. Das Geschwür ist auf dem Bild beinahe herausgewachsen. Probleme macht es schon seit geraumer Zeit nicht mehr, aber man sieht es noch so lange, wie der Huf nicht ganz durchgewachsen ist. Damit keine Kanten entstehen, die ein Ausbrechen des Hufes herbeiführen würden, wurde es mit der Raspel etwas berundet. Der Huf ist noch nicht sehr "schön", die Hornqualität noch eher spröde, aber er befindet sich auf dem Weg der Besserung und das Pferd kann bereits normal geritten werden. Bis der Huf auch in der Hornqualität ein optimales Erscheinungsbild hat wird noch einige Zeit vergehen.

Zum Seitenanfang

Duchwachsen des Hufes

Ein Huf braucht bis zu einem Jahr, bis er von der Krone bis zum Tragrand durch gewachsen ist. Bei vorgeschädigten Hufen kann es so lange dauern, bis sie dem Pferd keine Probleme mehr verursachen.
In manchen Fällen dauert die Heilung (Ziel: Pferd läuft einwandfrei auf jedem Boden) länger als ein Jahr, in anderen geht es viel schneller.

^ Dieser (Hinter-) Huf wird seit etwa drei Monaten behandelt.
Das Pferd hatte zuvor keine besondern Probleme und auch nach dem Schneiden traten keine auf. Trotzdem kann man erkennen, dass die Hornqualität zuvor anders war und der Huf jetzt in einem neuen Winkel herunterwächst. Dieser orientiert sich am Hufbein. Der rauhe Eindruck des Hornes im oberen Teil des Hufes entsteht dadurch, dass sich das sogenannte Saumband in diesem Bereich befindet. Es bedeckt etwa 1-2 cm des Hufes im oberen Teil und hat je nach Feuchtigkeit entweder weiche, weiße oder bröselige Konsistenz. Das Bild zeigt den Huf vor der Behandlung an diesem Tag.

^ bei diesem Huf (Behandlung wurde ca. einen Monat zuvor begonnen -> 1 cm neues Horn) kann man ebenfalls eine totale Veränderung der Horqualität beobachten.

Bei stark vorgeschädigten Hufen kann man pauschal eigentlich nie sagen, wie der Verlauf sein wird, da auch der Allgemeinzustand des Pferdes die Heilungsdauer beeinflusst und hier immer viele Faktoren zusammenspielen.

Jedoch ist das Ergebniss anschließend ein leistungsstarkes, gesundes Pferd, das optimale Unterstützung seines Stoffwechsels erfährt, sich entspannt bewegen kann und eine hohe Lebenserwartung hat.


Schlechtes Laufen

Viele Faktoren, die dazu beitragen, dass ein Pferd gut - oder schlecht - läuft, wurden bereits oben angesprochen. Bei extrem engen, also sogenannten "Zwanghufen", kommt noch hinzu, dass ein Zugschmerz entsteht. Das gequetschte Gewebe erhält Platz und beim Hufmechanismus "ziept es". Außerdem ist wieder gute Durchblutung da, was von den Tieren ebenfalls als unangenehm empfunden werden kann (sicher ähnlich dem Gefühl, dass entsteht, wenn Hände oder Füße im Winter durch die Kälte einfrieren und wieder "auftauen").

Auch, wenn es uns als Hufheilpraktiker sehr leid tut, wenn das Pferd Schmerz hat, beachten wir zwei Dinge:
Erstens: die Situation wurde nicht durch uns verursacht, wir beheben sie lediglich. Diese Phase wird vorübergehen und dem Pferd geht es anschließend dauerhaft besser.
Zweitens: das Pferd wird von sich aus nur so viel Belastung auf seine Hufe bringen, wie gut ist. Dies sollte nicht durch die Gabe von Schmerzmitteln o.Ä. verfälscht werden, da sie dazu führen, dass das Pferd eventuell seine Hufe überbelastet und weiter schädigt.

Pferde, die solche Hufe aufweisen und sehr schlecht laufen, werden normalerweise in einer unserer Hufkliniken behandelt. Alles, was über "lediglich mal ein Hufgeschwür" hinaus geht, sollte in einer Klinik behandelt werden. Ambulant ist dies nur schlecht möglich und erschwert es dem Tier zusätzlich. Hufkliniken verfügen über spezielle Gummiböden oder andere, nützliche Einrichtungen, die darauf ausgelegt sind, es dem Pferd so angenehm wie möglich zu machen.

Viel lieber ist uns natürlich, wenn ein Pferd gar nicht erst schlechte Hufe entwickeln muss. Niemand findet es gut, dass ein Tier unnötig Schmerz ertragen muss. Würde der Großteil der Pferdemenschen sich damit beschäftigen, was die natürlichen Bedürfnisse des ihm anvertrauten Tieres sind, kämen viele Schäden wahrscheinlich gar nicht zustande. Die Meisten Hufkrankheiten der heutigen Pferde sind vermeidbar. Man müsste nicht heilen, man könnte einfach von Anfang an gesund erhalten.


Auswirkung auf die Stellung und auf die Sehnen des Pferdes

Kürzt man bei einem Pferd die zu langen Trachten und Eckstreben, entsteht eine andere Lastverteilung und Gelenke, Sehnen und Bänder werden anders beansprucht als zuvor. Die Umstellung wirkt sich auf die ganze Haltung des Pferdes aus. 
Interessanterweise reagieren Pferde darauf äußerst positiv; sie können sich - endlich - entspannen.

Da die meisten Pferde heute nicht mit idealen Winkeln stehen und dadurch die Beinstellung abweicht, sind wir an falsch stehende Beine gewohnt und es fällt uns gar nicht als „falsch“ auf.

Pferd vor der Behandlung:

Die Vorderhufe haben untergeschobene Trachten:


Die Eckstreben sind lang und verlaufen über einen großen Teil der Sohle:


Unten das Pferd vier Wochen später, es wurde gut ausgeschnitten und
kann aufhören, den hinteren Bereich der Vorderhufe zu entlasten.
Seine gesammte Haltung hat sich positiv verändert:

Das Pferd kann problemlos laufen und wird normal geritten. Trotzdem sind die Hufe noch in der Genesungsphase: sie werden sich weiterentwickeln und erst mit der Zeit die optisch optimale, gesunde Hufform erreichen.

Die folgenden Abbildungen zeigen den Huf (frisch geschnitten) nach ca. 7 Wochen Behandlung. Man sieht bereits, dass eine neue Hornqualität von oben nachwächst (-> linkes Bild: Winkel der vorderen Hornwand, also der "Zehe", verändert sich). Der Huf hat außerdem sohlenseitig ein Gewölbe, die Eckstreben haben keinen Bodenkontakt mehr und sind viel kürzer, als zuvor. Nichts drückt und Hufmechanismus ist möglich:

  

Sehnen schaffen es nicht, sich schneller zu verkürzen, als das Pferd "kaputt geht" - wenn eine so falsche Situation so lange besteht würde, dass sich die Sehnen daran anpassen würden, wäre der Huf durch Mangeldurchblutung und falsche Belastung schon so geschädigt, dass das Pferd nicht mehr ohne Schmerzmittel (wahrscheinlich sogar mit nicht) stehen könnte.

Sehnen sind schlecht durchblutete Gewebe, weshalb sie auch so schwer heilen. Dadurch verändern sie sich aber auch kaum in ihrer Form. Sie haben eine bestimmte, ideale Länge, die bei geraden Röhrbeinen in der Regel natürlicherweise richtig ist. Bei guter, natürlicher Hufform, so wie es oben beschrieben wurde, herrscht Sehnengleichgewicht.

Sind die Trachten zu hoch, um ein Sehnengleichgewicht zu gewährleisten, zieht das Pferd die Schultern mit Muskelkraft nach oben, um als Effekt die Beugesehnen (hinten am Bein) wieder zu spannen. Sie wären sonst lockerer als bei richtigem Hufstand mit guter Lastverteilung im Huf, also bodenparallelem Hufbein. Aus diesem Grund haben Pferde mit gesunden Hufen auch einen harmonischen Schulterstand und seltener Verspannungen. Ihre Gänge sind raumgreifend und die Bewegung flüssig. Die Röhrbeine stehen gerade. Sie brauchen beim Warmreiten kaum Zeit, um locker zu werden.

Außerdem setzen Pferde mit hohen Trachten normalerweise automatisch die Gliedmaße ein wenig nach hinten. Zum einen entlastet dies den hinteren Hufbereich, zum anderen "spannt es die Beugesehnen nach".

Man braucht sich keine Sorgen zu machen, dass ein plötzliches Kürzen der Trachten negative Auswirkungen auf die Sehnen hat. Es kann ein "Muskelkatergefühl" in den Bereichen entstehen, wo durch Anspannung vom Pferd versucht wurde, die Sehen zu straffen (meist Schulterpartie). Die Sehenen selber jedoch leiden nicht durch die Veränderung, zumal sie beim Galopp und beim Springen etc. weitaus größeren Belastungen ausgesetzt werden und reversibel um 7% ihrer Länge dehnbar sind.

Ein weiteres Pferd mit rückständigen Röhrbeinen:




Das Pferd einige Tage später, nach richtiger Hufbehandlung,
daher auf bequemeren Hufen und als Handpferd unterwegs in den Wald:

(Als Handpferd deshalb, weil es noch nicht richtig eingeritten ist, es handelt sich
hier um Benny, der auch auf der Seite Über mich beschrieben wird.)

Und noch ein Beispiel:

^ vor dem Schneiden - wenn man nicht darüber nachdenkt, fällt einem gar nichts Besonderes auf. Das Pony hat sich ebenfalls daran gewöhnt, auch wenn diese Haltung Muskelspannung erfordert.

Nach dem Schneiden:

(Es wurde direkt im Anschluss an die Hufpflege in
die Reitstunde mitgenommen und lief locker und willig.)

Zum Seitenanfang

Schiefen im Huf und in den Beinen

Falsch oder schlecht stehende Gliedmaßen werden oft als ererbt, natürlich gegeben oder unheilbar angesehen. Meist ist es jedoch so, dass eine falsche Hufform und Stellungs- Probleme sich gegenseitig bedingen.

Dadurch, dass der Huf seine natürlich gesunde Form erhält, kann das Pferd auch wieder richtig stehen.

 

^ Vorderbeine des selben Ponys vor (links) und nach dem Schneiden (rechts).
Die Hufe vorher und nachher:

 

Zum Seitenanfang

Vorraussetzungen für die Umstellung

Für die Zeit der Heilung und auch danach ist Bewegung das absolut Wichtigste. Nur mit und durch Bewegung findet Blutzirkulation = Stoffwechsel statt, und je mehr Bewegung, desto schneller die Gesundung.

Es ist wichtig, dass der Besitzer bescheid weiß und positiv unterstützen und mitarbeiten kann, damit sein Tier dauerhaft gesund sein – und bleiben – kann.

Dazu gehört, dass er ihm die Möglichkeit bietet, sich so zu verhalten, wie es von Natur aus richtig für das Tier ist. Für das Steppentier Pferd heißt das Offenstallhaltung mit Artgenossen, am Besten mit wechselndem Untergrund.

(Viele wichtige Elemente hierzu finden Sie in der Rubrik Bedürfnisse eines Pferdes.)

Will man sein Pferd vor allem auf hartem Boden, also Straßen und Schotterwegen reiten oder fahren, sollte man den Auslauf entsprechend gestalten, denn Hufe passen sich in ihrer Härte an die Gegebenheiten an, mit denen sie am Meisten konfrontiert werden.

Wir fahren zum Beispiel problemlos seit Jahren mit barhufigen Pferden Kutsche und lange, ausgedehnte Ausritte auf unterschiedlichen Böden sind ebenfalls kein Problem. Das liegt daran, dass wir unseren Auslauf entsprechend gestaltet haben.

Je mehr man reitet, desto besser ist bei optimaler Hufform die Hornqualität und desto kräftiger das Hornwachstum. Man kann einen Zustand erreichen, in dem sich Wachstum und Abrieb die Waage halten. Dies ist jedoch kaum möglich, denn wir haben in Europa in der Regel keine Zeit, unser Pferd täglich mindestens sechs bis acht Stunden auf wechselnden Böden zu reiten, was etwa die nötige Menge wäre. (Allerdings habe ich Kunden, die es schaffen, die Hufe  ihrer Pferde durch sehr viel Reiten und eine ideale Haltung in so gutem Abrieb-Gleichgewicht zu halten, dass ich dort nur alle vier Monate hinfahre, um zu schneiden.)

Zum Seitenanfang

Schneide Intervalle: wie oft wird geschnitten und was beeinflusst die Abstände?

In der Regel haben Pferde zwischen den Terminen einen Rhytmus von circa vier bis sechs Wochen. In der ersten Zeit wird dies möglicherweise nicht ganz hinkommen und es gibt ein verkürztes intervall, um z.B. Schiefen besser und regelmäßig ausgleichen zu können. Oder der Huf produziert vermehrt Horn, da der Stoffwechsel angeregt wird und erst einmal der "Eiwieß-Stau hinausgewachsen wird". (Hufe, die nicht richtig im Sinne des Hufmechanismus arbeiten konnten, haben eine gebremste Hornausscheidung gehabt . Der Huf als Ausscheidungsorgan ist mit dafür verantwortlich, dass Eiweiße aus dem Körper ausgeschieden werden. An dieser Stelle in Form von Horn.) Ist dies der Fall, sollten die ersten paar Termine näher aneinander liegen.

Generell fahre ich zu einem neu begonnen Pferd normalerweise nach zwei Wochen noch einmal, um zu kontrollieren, wie sich der Huf entwickelt und ob ein kürzeres Intervall notwendig wird, oder nicht.

Die Produktion pendelt sich nach einigen Schneide-Terminen ein und man findet einen für das Pferd idealen Rhytmus.

Meine eigenen Pferde haben teilweise einen bis zu acht Wochen dauernden Rhytmus, da ich sie genug reite und fahre und sie außerdem auf unserem Paddock mit wechselnden Böden und durch die Herde viel Bewegung haben. Prinzipiell sst Hufpflege nichts anderes, als die Nachahmung des natürlichen Abriebs: würden alle Pferde in Europa so viel laufen, wie es von Natur aus vorgesehen ist und hätten sie dabei unbeschlagene Hufe mit der richtigen Form, wäre Hufpflege überflüssig. Allerdings ist es leider fast nicht möglich, Pferde hier bei unseren Verhältnissen so viel zu bewegen, dass die Hufe gar nicht geschnitten werden müssen.

Man braucht daher auch keine Angst zu haben, dass die Hufe zu kurz werden, wenn auf Barhuflaufen umgestellt wird. Eher das Gegenteil ist der Fall. Auch bei Pferden, deren Hufe zuvor "Sorgenkinder" waren, oder die schlechte Hornsubstanz hatten, stellt sich gesundes, kräftiges Hornwachstum ein.

Fazit: Der Hufpflege-Rhytmus hängt davon ab, wie das Pferd gehalten wird und was mit ihm gemacht wird. Wenn ein Pferdebesitzer sein Pferd genügend bewegt bzw. ihm in seinem Offenstall Bewegungsanreize schafft und unterschiedliche Böden zur Verfügung stellt, strecken sich die Schneide-Intervalle.

Zum Seitenanfang

Elastizität und Stärke - durch Wasser

Hufe brauchen Feuchtigkeit, denn sie müssen eine gewisse Elastizität haben, um sich optimal bewegen zu können und nicht brüchig zu sein. Auch wenn dies vielleicht zunächst unlogisch klingt, so ist doch ein insgesammt feuchter Huf wesentlich resistenter gegen Abrieb, als ein trockener. Vergleichbar ist dies zum Beispiel mit jungem Gouda und Parmesankäse - der trockene Käse ist wesentlich einfacher zu raspeln. Auch kann man gut einen jungen, im Saft stehenden Stock über Asphalt reiben und die Abriebstärke mit einem vergleichen, der vom gleichen Baum ist, aber schon lange in einem trockenen Raum gelegen hat und keine oder kaum mehr Feuchtigkeit enthält. Der trockene Stock raspelt und bröselt Holz, während der junge, feuchte gerade mal einige Fasern verliert oder gar nur leicht nasse Streifen zieht.

Auf Wanderritten geben wir unseren Pferden immer mehrfach täglich die Möglichkeit, ihre Hufe in Wasser zu stellen und erreichen dadurch verminderten Abrieb.

In der Natur wird die Feuchtigkeitszufuhr vor allem durch das Trinken geregelt, denn ein Pferd, dass aus einer Wasserstelle trinkt, geht natürlicherweise mit seinen Hufen auch dort hinein, um mit den Lippen auf der richtigen Höhe zu sein. Auch Schlamm gibt den Hufen Feuchtigkeit, weshalb es nicht unbedingt schlecht sein muss, wenn Wiesenbereiche feucht und schlammig sind (vorrausgesetzt, sie sind nicht gleichzeitig durchsetzt mit großen Mengen Mist und Urin).

Die Wasserzufuhr für die Hufe kann unterschiedlich gelöst werden, sollte aber immer "von unten" kommen, denn so wird das Wasser in den Huf aufgenommen. Es reicht nicht, die Hufe nur kurz und von oben abzuspritzen. Die Dauer des Wässerns sollte täglich ca. zehn bis 20 Minuten betragen.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die Wasserzufuhr zu ermöglichen. Sie muss keinen Mehraufwand bedeuten, denn viele Lösungen erlauben, dass wir gleichzeitig etwas anderes mit dem Pferd machen, zum Beispiel es füttern oder putzen, oder, dass ein "Fußbad" so in den Paddock integriert ist, dass das Pferd dort täglich mehrfach durch muss.

Zum Seitenanfang

Grenzen des Barhuflaufens

Man muss natürlich beachten, dass man von einem „Lüneburger-Heide-Pferd" (weiche Hufe…) nicht erwarten kann, dass es auf Eifeler Schotter sofort und plötzlich gut läuft. Ein Pferd, dessen Hufe an weichen Boden angepasst sind, kann nicht innerhalb von einigen Tagen auf harten Untergrund umgestellt werden.

Man muss immer mit dem Tempo der Hufe mitgehen. Wenn man nur vorübergehend auf extrem anderem Boden reiten möchte, kann man (bei plötzlich erhöhtem Anspruch) über den kurzzeitigen Einsatz von Hufschuhen nachdenken.

Allerdings nur in Situationen, die unnatürlich sind, wie die im Beispiel genannte: plötzlich stark veränderte Belastung.

Gesunde Pferdehufe sind normalerweise ihren Belastungen gewachsen, wenn sie entsprechend "trainiert werden" und brauchen keinen Schutz – in den meisten Fällen wirkt "Schutz" schädigend...

Einige häufige Missverständnisse, die weiter oben nicht angesprochen wurden

  • "Hufrolle" ist nicht heilbar und ein Todesurteil für das Pferd. - FALSCH.

    Die Hufrollenentzündung entsteht durch eine falsche Hufform und kann bei richtiger Barhufbearbeitung geheilt werden. Das Pferd wird wieder voll einsatzfähig - vorrausgesetzt, es wird weiterhin richtig behandelt. Nach Behebung der falschen Druckverhätnisse im Huf klingt die Entzündung ab und das Pferd ist wieder lahmfrei... "Hufrolle" ist heilbar.
    (Beispiele und Falldokumentationen finden Sie hier.)

  • "Hufrehe" ist eine fütterungsbedingte Krankheit und bestimmte Pferderassen bekommen leichter Rehe, als andere. - FALSCH.

    Es gibt verschiedenen Arten der Rehe. Eine Vergiftungsrehe wird alle vier Hufe befallen, eine Überlastungsrehe (auch "Belastungsrehe" genannt) meist die Vorderhufe. Die sogenannte Futterrehe im eigentlichen Sinne (angeblich verursacht durch Stoffe im Gras, z.B. Fruktane) gibt es prinzipiell gar nicht wirklich, jedenfalls nicht so, wie es zur Zeit gelehrt wird.

    Wenn keine Vergiftung vorliegt, das Pferd aber eine Rehe bekommt, wenn es im Frühjahr auf die Weide gelassen wird, führen konventionelle Meinungen dies meist auf bestimmte Stoffe im Gras zurück (übrigens immer wieder neue... mal Fruktane, mal etwas anderes...). Hier kurz zu beschreiben, was wirklich passiert, würde den Rahmen sprengen, jedoch kann man sagen, dass nicht die Stoffe im Gras zu der Rehe führen, sondern andere, durch die Hufstellung bedingte Faktoren. Wird richtig gehandelt, kann die Rehe ausheilen.
    Hat das Pferd eine gesunde Hufstellung, kann selbst bei sehr plötzlicher Anweidung nichts passieren (ausgenommen Durchfälle etc.). Auch kann man nicht sagen, dass bestimmte Pferderassen schneller Hufrehe bekommen, als andere. Diese Annahme kommt sicherlich daher, dass vorzugsweise bestimmte Rassen so gehalten werden, dass eine Rehe entstehen kann. Ein Pferd anderer Rasse unter gleichen Bedingungen würde aber ebenfalls eine Rehe entwickeln.
    (Auch hiervon habe ich einige Falldokumenationen angefertigt.)

  • Huffett ist gut für die Hufe. - FALSCH.

    In der Natur kommen normalerweise weder Fette, noch Salben oder sonstige chemische Substanzen an die Pferdehufe.
    Huffett ist weder gut für die Hufe, noch hat es irgendwelche positiven Effekte. Es trocknet die Hufe aus, da es sie vor Feuchtigkeit verschließt. Diese ist aber - wie weiter oben beschrieben wurde - notwendig und wichtig.

  • Hufeisen ermöglichen Hufmechanismus, zumindest hinten, und dadurch wird der Huf dort auch abgenutzt. - FALSCH.

    Beides sind theoretische Annahmen. Es stimmt zwar, das ein Huf sich irgendwie doch noch bewegt, wenn er auf einem Eisen festgenagelt ist, jedoch ist diese Bewegung (wie bereits oben erklärt) pathologisch und nicht mit richtigem Hufmechanismus zu vergleichen.
    Eine weitere, teilweise verbreitete Annahme, ist, dass dadurch, dass er sich "hinten" noch bewegt, an dieser Stelle vermehrt Abrieb entstehen würde, wodurch der Huf angeblich mit der Zeit "nach-hinten-unten-kippt" und kurze Trachten bekommt. Dies kann man weder praktisch beobachten, noch theoretisch bestätigen, denn vermehrte Bewegung (hier im hinteren Bereich) ohne tatsächliche Abnutzung auf dem Boden führt zu vermehrtem Wachstum, nicht zu Abrieb dieses Bereiches (Bewegung = Durchblutung = Wachstum).
    In der Praxis kann man daher auch eher beobachten, dass ein Pferd mit Eisen immer höhere Trachten entwickelt, anstatt hinten "tiefer" zu werden.

    Dies hängt natürlich auch davon ab, wie der Schmied/ Hufbearbeiter arbeitet.
    Jedoch kann man zweifelsfrei sagen und belegen, dass auf dem Hufeisen kein Hufmechanismus im eigentlichen Sinne stattfindet und der Huf sich auch nicht in natürlicher Form abnutzt, sondern lediglich kompensierende Ausgleichs - Bewegungen macht, ohne dabei funktionstüchtig zu sein. Zu diesem Thema gibt es übrigens ebenfalls Versuchsreihen und Publikationen (Chris Pollit u.A.).

  • Wenn man die Hufe hinten kürzt, brechen die Hufbeinäste ab oder werden zumindest >nach unten gelegt<, wodurch Zug an ihnen entsteht. - FALSCH (mit Einschränkung).

    Man kann einen Huf hinten praktisch kaum so weit kürzen, dass ein Pferd mit nach hinten gekipptem Hufbein steht.
    Ganz selten kann man zwar beobachten, dass Pferde (nicht nach Dr. Strasser geschnitten!) so bearbeitet werden, dass die Hinterhufe zwar kurze Trachten, aber gleichzeitig im Zehenbereich eine zu große Höhe haben. Der Kronrand-winkel ist in diesem Fall sehr steil und solche Tiere stehen grundsätzlich mit nach vorne gesetzten Röhrbeinen. Tatsächlich hat das Hufbein in diesem Fall eine "rückwärts-abwärts-Tendenz".
    Würde man hier sohlenseitig die Zehe kürzen, könnten sich die Tiere entspannen und wieder mit geraden Röhrbeinen und gut positioniertem Hufbein stehen.

    Hat man den Verdacht, dass die Hufbeinäste tiefer liegen, als die Zehenspitze des Hufbeins, müsste man gleichzeitig grundsätzlich beobachten können, dass die Gliedmaße vorgestellt wird - oder sich der Hufbeinknochen von der Hufwand löst (= Hufrehe).

    Oft wird behauptet, bei "Straßer behandelten Hufen" würden das Hufbein in eine solche Lage geraten. Dies kann zum einen röntgenologisch sofort widerlegt werden. Zum anderen würde sich dies durch eine ebensolche Stellung mit vorge-streckten Röhrbeine (besonders bei den Hinterhufen) zeigen.

  • Sommerexzem ist nicht gut heilbar und ein Exzemerpferd wird ein Leben lang darunter leiden. - FALSCH.

    Sommerexzem ist eine "Ausscheidungskrankheit". Sind Leber und Niere mit der Ausscheidung von Abfallstoffen im Körper überfordert (weil die Hufe als Ausscheidungsorgan nicht sachgemäß arbeiten -> falsche Form mit wenig Hufmechanismus), wird die Haut als "Retter" verwendet und hilft bei der Ausscheidung. Dies kann sich als Exzem, Mauke o.Ä. zeigen. Werden die Hufe in Ordnung gebracht und stimmen Ernährung und Haltung, heilt das Exzem aus. Dieser Prozes kan zwischen einem halben und drei Jahren dauern, wobei sich der Zustand des Tieres in dieser Zeit kontinuierlich bis sprunghaft verbessert, was auch durch Zusammenarbeit mit Tierheilpraktikern o.Ä. beschleunigt werden kann.

  • Passartiger Schritt ist exterieurbedingt oder eine unerklärliche Unart des Pferdes und kann nur schwer (oder gar nicht) behoben werden. - FALSCH.

    Passartiger Schritt entsteht oft (wie so vieles) durch falsche Hufform. Bringt man die Hufe in Ordnung, hat dies den schönen Nebeneffekt, dass sich die Gangarten verbessern. Klarer deffinierter Schritt, raumgreifenderer Trab und Galopp, mehr Bergauftendenz etc. etc.

Wer ist Frau Dr. Straßer?

Frau Dr. med. vet. Hiltrud Straßer ist eine deutsche Tierärztin. Sie wurde 1943 geboren und lernte nach ihrem Abitur zunächst Pferdewirt. Anschließend begann sie ihr Tiermedizinstudium an der Humboldt Universität in Berlin.

Frau Dr. Straßer arbeitete zunächst sechs Jahre im Kleintierbereich mit Pferdeanteil, bevor ihr eigene Pferdehaltung möglich wurde. Angestoßen durch Beobachtungen an ihren eigenen Tieren (Offenstallhaltung), die sie mit denen ihrer Klienten verglich (Boxenhaltung), begann sie, sich intensiv mit dem Thema Hufe & deren Einfluss auf den Pferdeorganismus auseinanderzusetzen und Nachforschungen anzustellen. Sie beschäftigte sich mit älteren Veröffentlichungen und verglich sie mit der damaligen Lehrmeinung. Schnell stellte sie Lücken und Ungereimtheiten in den aktuellen Theorien und Behandlungsweisen fest.
Erste Erkenntnisse, die sie auch praktisch umsetzte, führten zu erstaunlichen Ergebnissen, besonders positiv in der Behandlung von Hufrehepferden. Aus diesem Grund begann Frau Dr. Straßer, ihr empirisch erworbenes Wissen in Seminaren weiterzugeben.

Noch heute, mit 68 Jahren, gibt sie ihr Wissen weiter und arbeitet mit Pferden. Noch immer reitet sie ihre eigenen Pferde (mittlerweile über 28 Jahre alt, fit und ein Leben lang unbeschlagen). Sie ist Mutter von vier Kindern und leitete bis 2011 die Hufklinik Tübingen.

Viele tausende Pferde verdanken ihr ihr Leben, da die von ihr entwickelte Methode für diese Tiere "die letzte Türe" vor dem Schlachter war.

Ich weiß nicht, was womöglich mit meiner eigenen Stute passiert wäre, wenn ich nicht "per Zufall" auf die Methode Dr. Straßer gestoßen wäre.

Achtung:

Diese Homepage bietet nur Basisinformationen und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Im Gegenteil - es wurde hier kaum die Oberfläche angekratzt, die Lektüre dieser Seite gibt lediglich einen kleinen Einblick in die Komplexität des Themas.
Gerne beantworte ich Ihnen persönlich Fragen, die aufgekommen sind.

Ich empfinde meine Arbeit als sehr erfüllend und freue mich jeden Tag darüber, dass ich all dies lernen durfte. Es macht mir Spaß, zu sehen, wie die Pferde aufblühen und sich körperlich zum Guten verändern. Ich freue mich immer, wenn Besitzer feststellen, wie viel motivierter, leistungsstärker und gesünder ihre Tiere sind. Und am Glücklichsten macht es mich, wenn ich Pferden helfen kann, denen keine Chance mehr eingeräumt wurde, und die sich dann doch :-) erholen und wieder vollständig genesen.

Ich freue mich über jeden Menschen, der ebenfalls beginnt, Pferden zu helfen.

Zum Seitenanfang

>>> Abbildungen & Inhalte dieser Seite gehören Hannah Engler/ Frau Dr. Strasser und <<<
>>> dürfen ohne vorherige Genehmigung nicht weiterverwendet werden. <<<
>>> © by Hannah Engler & Dr. Hilturd Strasser <<<